Kleinarbeiten

Habe mit den Vorarbeiten für meine „Milchsäule“ weitergemacht. Denn zuerst müssen ja alle Kleinteile, wie das aufnähen der „Pupillen“ auf das weiße Kunstleder und die Ohreninnenverarbeitung bis zu den fertigen Ohren gemacht werden. Beim zusammennähen des Kopfteils, werden dann die Ohren in die Naht mit eingenäht, danach können die Augen aufgenäht werden. Die ganze Herstellung erfordert daher eine genaue Planung, damit jedes Teil richtig an seinem Platz sitzt. Ich stelle dazu mal zwei Bilder ein, wie ich die Innenverarbeitung der Ohren vornehme. Die Herstellung der Schweinchen wird mich noch einige Zeit beschäftigen.

Sieht doch aus wie ein kleines Igelchen, mein Schweinsöhrchen.

 

Den gesamten Arbeitsablauf stelle ich zum gratis Download nach Fertigstellung der „Milchsäule“ ein.

Zeitnot

So langsam wird die Zeit knapp, denn 2 wichtige Termine stehen an. Der eine ist die Modenschau in Karlsruhe, die am 21.Mai 2017 stattfindet und der zweite Termin sind meine „Milchsäule“ die spätestens in 6 Wochen fertig sein müssen.

Heute werde ich von der Herstellung der Outfits für die Modenschau berichten.

Drei Teile werde ich zeigen, das heißt drei Modelle für drei Durchgänge werde ich dazu anfertigen. Schnell mal so ein Stück gestalten und zusammennähen das ist nicht möglich, denn es steckt sehr viel Arbeit darin. Diese beginnt mit der Frage, was mache ich, aus was mache ich es, wie viel Teile stecken in einem Modell, was kostet es. Und wie das Ganze dann geplant wird, das erzähle ich Dir jetzt.

Beim Schneider (zumindest bei mir) sieht die Planung so aus. Als erstes die Frage, wie viel Modelle kann ich in meinem Atelier herstellen. Natürlich kann ich mir vornehmen 10-15 Modelle zu liefern. Ist dies jedoch realistisch, wenn ich allein arbeite und noch Kunden zu bedienen habe. Da in einem Maßatelier meistens die ganze Organisation, von der Herstellung bis zur Vermarktung von ein und derselben Person erledigt wird, gehört im Vorfeld eine perfekte Planung über Kapazität, Zeitplan, und die erforderlichen Geldmittel zusammengestellt. Ich kann auch hergehen und einfach wild darauf los planen, weil mein kreativer Geist mir suggeriert, dass ich unbedingt zeigen muss, welche kreative Möglichkeiten ich bieten kann. Ob dies letztendlich im Sinne des kreativen Schöpfers ist, sei dahingestellt. Meistens endet dies in totaler Arbeitsüberlastung und Erschöpfung, weil der Tag eben nicht mehr als 24 Stunden hat.

In meinem Atelier ist mit drei Modellen, das bedeutet im Enddefekt pro Modell 2-3 Teile, das Ende der Fahnenstange erreicht.

Fangen wir mal mit der Planung an. Zuerst suche ich mir aus, welche Modelle kann ich zeigen. Danach schaue ich mich nach einem passenden Stoff und den dazu gehörenden Zutaten, wie Knöpfe, Nähseide, Reißverschluss und Futter um. Bei einem 3teiler bestehend aus Jacke, Hose, Bluse, kommt schon ganz schön etwas zusammen.

Für die Jacke habe ich meine schon im Januar angefangene Chanel-Jacke bestimmt, dazu werde ich eine Kunstlederhose und eine weiße Bluse aus Baumwolle/Seide nähen. Als zweites Ensemble steht ein Leinenkleid mit Blumenjacke auf dem Plan. Und last but not least für die festlichen Anlässe, oder zur Dinner Einladung, ein Wildseidenkleid mit Schmucktechnik und Organzamantel aus reiner Seide.

Kannst Du Dir vorstellen welche Arbeit in der Herstellung dieser Teile steckt?

Dies ist unser Einladungsflyer, vielleicht hast Du Lust zu kommen.

Mehr Infos gibt es hier http://www.massschneider-bw.de/aktuelles/

Arbeitsstau

nachdem ich letztes mal mich etwas mit den Pölsterchen der reiferen Damen befasst habe, werde ich diesmal nicht tiefer in dieses Thema einsteigen. Nur soviel noch dazu, natürlich gibt es auch Menschen mit tollen Figuren auch im reifen Alter und umgekehrt ebenso. Jung und alt haben mit ihren Problemzonen zu kämpfen, der einzige Unterschied dabei ist, das sich die Rundungen an verschiedenen Stellen zeigen.

Jetzt zu dem was momentan auf meinem Arbeitsplan steht. Es sind „Milchsäule“ wie der Schwabe sagt. Was dahinter steckt ist schnell erklärt. Für ein Heimatfest das jährlich am Pfingstmontag mit einem großen Umzug der Vereine, Schulen und den Kostümen der Schlossherren in unserer Stadt stattfindet, bin ich am „Milchsäule“ Kopfschmuck nähen. Das ist eine schöne Abwechslung und die Gestaltung dafür hat ebenfalls großen Spaß gemacht. Gerade habe ich 20zig Augenpaare und 20zig Rüssele in Arbeit, die mit dem Kopfteil verbunden werden. Die 40zig Ohren liegen auch schon in den Startlöchern und warten aufs einnähen. Das ist gerade meine Hauptaufgabe, die es abzuarbeiten gilt.

Fast hätte ich es ja vergessen, bin ja noch am Herstellen meiner drei Modelle für unsere Modenschau in Karlsruhe, diese findet am 21. Mai 2017 statt. Oh je was für eine Arbeit so aufläuft, wenn man einige Zeit nicht so ganz auf der Welle war.

Kennst Du das, wenn man von einer großen Frustwelle überschwemmt wird und man fast das Ufer nicht mehr erreicht. Wie ich ja auf meiner Seite schon erwähnt habe, läuft das Leben nicht immer im gleichmäßig geradem Fluss, manchmal durchqueren wir auch ein tiefes Tal. Es ist wichtig wieder den Aufstieg zu wagen, denn sonst bleiben wir unzufrieden und total frustriert am Boden liegen.

EdithF

50zig plus

Falls Du Leser meines Blogs und ein junger Mensch bist, dann kommt Dir mein heutiger Beitrag sicher etwas abgestanden vor. Was interessieren Dich die Probleme der „alten Weiber“.
Auch mich überfiel dieses Übel in meiner Anfangsselbstständigkeit. Figürlich gab es bei mir nichts auszusetzen, aber die Maße meiner Kundschaft oh je, brachte mich so manches mal ins Schwitzen. Da stehst du dann, mit deinem jungen knackigen Körper an dem es wenig auszusetzen gibt, vor den gesetzten Damen und musst deren Maße so verarbeiten, dass am Ende ein tolles Produkt dabei heraus kommt. Ob dies die üppige Oberweite ist, der man Schnitt-mäßig Einhalt gebieten muss, oder die ausladenden Hüften zu einer schmalen Oberweite.
Das ist „Kunst am Körper“, den man perfekt verpackt in einen eigens für die Kundin erstellten Schnitt.
Daher gehört Grundschnitte erstellen, um daraus einen perfekten Modellschnitt auf das Maß der Kunden zu kreieren, zu den Grundkenntnissen eines jeden Maßschneiders.

Ist dieser Beitrag nun interessant für Dich? Weil Du nach diesen Informationen besser die Wünsche Deiner Kunden verstehst. Auch mir ging es oft so, dass ich dachte, solche Ausmaße nehme ich einmal nicht an. Doch im Lauf der Jahre verändert sich der Körper und was einmal toll aussah, passt nun nicht mehr.
Das sind dann meistens die Kunden in der Maßschneiderei, die zu bedienen sind. Falls Du dich im Bereich der Herstellung von Maßkleidern bewegst, kennst Du das sicherlich und wirst des öfteren mit den „großen und kleineren“ Problemen deiner Kunden konfrontiert. Ob es um die gekaufte Hose oder ein anderes Kleidungsstück geht, die Schnitte sind eben nicht auf die Figur einer gestandenen Frau ausgerichtet.

Ich bin gerade am herstellen von mehreren Sommerhosen für mich und dabei kam mir die Idee, einmal von diesen Problemen der Frauen über 50zig, ja schon mehr über 60zig plus zu berichten. Dem heutigen Jugendwahn folgend, hält sich meistens der Körper bei guter Behandlung sehr lange in seiner guten Form. Ich bin ein Beobachter und das nun schon sehr viele Jahre lang. In meiner langen Berufstätigkeit konnte ich daher sehr gut Körperstudien betreiben. Was dabei in den allermeisten Fällen heraus kam, das hier in Kurzform.

Fünfzig ist das heutige vierzig,
die meisten Körperformen sind in
diesem Alter noch in der Wunschvorstellung
der Besitzerin.
Sechzig ist heute der Knackpunkt.
Die Taille läuft aus dem Runder,
der Magenring nimmt zu, die Hüfte
bleibt oft schmal und der Brustumfang
nimmt ohne Implantate ausladende Formen an.

Im großen und Ganzen sieht das nicht einmal unförmig aus, nur warum zwicken sämtliche Hosen im Bund und flattern in einer größeren Größe um Hüften und Po herum. Das Problem liegt nicht an Dir, es liegt ganz einfach an der Ignoranz der Mode herstellenden. Wir ab sechzig sind eben nicht mehr frisch, jung und knackig, sondern gestandene Frauen, deren Gedanken zwar noch jung sind, aber die Schwerkraft des Körpers ist trotzdem nicht aufzuhalten. Was wir aber nicht wollen, das ist Kleidung die uns vielleicht im Stil in 20 Jahren passt, oder oft noch schlimmer, uns wie stehengebliebene Teenager aussehen lässt.

Wir nehmen uns an so wie wir jetzt sind, haben Spaß am Leben, genießen den Zeitstrahl von heute, denn gestern hatten wir schon.

EdithF