Die Schweinchen sind los

Jetzt liegen sie da auf meinem Arbeitstisch und sehen mich mit ihren runden Augen an. Noch sind sie etwas schlaff, doch das wird sich bald ändern.
Ja, das ist meine Arbeit für diese und nächste Woche, denn dann müssen meine „Milchsäule“ wie sie liebevoll von den Schülern und Lehrern genannt werden, fertiggestellt sein. Zum großen alljährlichen Fest an Pfingsten, mit dem Umzug an Pfingstmontag, kommen in diesem Jahr meine neu erschaffenen Schweinchen zum Einsatz. Es ehrt mich sehr, dass ich nach Schneckenhäusern mit Fühlern als Kopfschmuck, Eselköpfen, nun auch die Schweinchen-Kostüme nähen durfte.
Sicher es ist nicht unbedingt die Arbeit einer Maßschneiderei, doch zwischendurch macht so eine Herstellung großen Spaß. Man kann sich etwas kreativ austoben mit dem Entwurf, den man nach viel Recherche, wie so ein „Schweinsköpfchen“ aussehen könnte, auf Papier bringt. Dann geht es weiter mit der Überlegung, wie mache ich den Unterbau, welches Material nehme ich für den Kopf.
Als diese Dinge geklärt waren, stellte ich einen Prototyp her, den eine Lehrerin dann im Lehrerkollegium vorgestellt hat. Als dann das OK kam, machte ich mich an die endgültige Schnitterstellung. Durch abformen und auszeichnen der Schnittlinien auf den Schnittteilen entstand dann das Produkt „Milchsäule“. Einige Vorarbeiten habe ich ja schon in den Beiträgen Kleinarbeiten und Arbeitsstau vorgestellt. Jetzt in dieser Arbeitsphase folgte das aufnähen der Augen, die ich ja schon einmal umrundet habe, indem ich die schwarzen Pupillen auf den weißen Grund genäht habe. Wie man sieht, es steckt eine Höllenarbeit mit sehr vielen Arbeitsschritten in der Herstellung.
Und so so sehen sie nun aus.

sie sind noch etwas schlaff und müde, doch das legt sich bald.

Der Unterbau besteht aus „Hüten“ das sind abgeformte Teile die aus Klebeband in Form eines Hutes auf den Kopfumfang gewickelt wurden. Diese Arbeit habe ich nicht selbst gemacht, das hat mir die Lehrerin abgenommen. Als Verstärkung in den kleinen Rüssel dient ein abgeschnittener Joghurtbecher und gestopft wird mit Füllwatte.
Wie Ihr seht, es ist ein großer Arbeitsaufwand bis solche Figuren wie ich sie nun schon das dritte Mal erarbeitet habe fertiggestellt sind.
Nächste Woche nach Fertigstellung meiner Produktion folgt das Abschlussbild.
Bis dann
EdithF

Erfolgreiche Modenschau

Seit Sonntag den 21.Mai 2017 ist der Modenschau Termin nun abgearbeitet. Ich weiß, es klingt etwas seltsam für eine Modenschau den Ausdruck abgearbeitet zu verwenden.
Als Teilnehmer der Schau sehe ich es eben als Arbeitsaufwand an, der nicht einfach zu bewältigen war. Bei uns Maßschneidern ist es ja immer eine große Herausforderung, wenn eine Präsentation unserer Arbeit ansteht, weil wir nicht nur die Kleidungsstücke von der Stange nehmen können. Wir verbringen damit Stunden mit kreativer Arbeit. Angefangen mit dem Entwurf, der Stoffauswahl, dann der Erstellung des besonderen Schnittes, dem Zuschnitt und Anprobe und schließlich mit dem nähen des Kleidungsstückes. Manch Einer vermutet nicht, welch ein Arbeitsaufwand ein Kleidungsstück hinter sich hat, wenn es für einen kurzen Augenblick über den Laufsteg schwebt.
Soviel zum Werdegang eines Modells, das am Ende einen leichten Eindruck von Lässigkeit und Eleganz vermittelt. Trotz aller Anstrengung im Vorfeld ist es aber immer wieder ein wunderbarer Augenblick, wenn man dazu beitragen konnte, dass wir unser kreatives Handwerk zeigen konnten.
Schon oft habe ich mit dem Gedanken gespielt, einfach nicht mehr an solch einem stressigen Geschehen teil zu nehmen, doch immer wieder reizt die Versuchung auszuprobieren, ob die erlernten Techniken noch abrufbar sind.
Und damit komme ich wieder einmal zu dem was mir sehr auf dem Herzen liegt, nämlich fundierte Grundkenntnisse zu erlernen, damit solche tollen Produkte entstehen können, wie wir sie am Sonntag den 21.Mai in Karlsruhe gezeigt haben. Das große Problem ist nur, dass es kaum mehr Ausbildungsbetriebe in unserem Handwerk gibt. Sicher es gibt sehr viele Berufskollegs, die neben der Theorie auch die handwerkliche Arbeit vermitteln. Was die meisten jungen Menschen jedoch an dieser Art das Schneiderhandwerk zu erlernen reizt, ist das Wörtchen „Designer“, das am Ende von der Ausbildung dabei heraus kommt. Klingt doch einfach besser wie Maßschneider, oder gar Änderungsschneider was sowieso in den Köpfen der Verbraucher sich für unseren Beruf festgesetzt hat. Wenn wir dann uns die Freiheit nehmen und auf unsere richtige Berufsbezeichnung hinweisen, dann ernten wir oft erstaunte Blicke und Fragen. Wie zum Beispiel, sie können ein Kleidungsstück von einem Bild oder einer Zeichnung nacharbeiten. Ich sage dann immer, ja das kann ich.
Design, das ist bei einem guten Maßschneider die Grundvoraussetzung, das heißt, aus einem eigenen Entwurf, oder nach Vorlage einen Schnitt zu erstellen.
Doch wo soll dies alles gelernt werden, wenn es keine Betriebe mehr für die Ausbildung gibt.
Wie schon in meinem letzten Beitrag angesprochen sind wir nicht ganz unschuldig an der Entwicklung, das die Ausbildungsplätze rar sind. Es hat sich im Lauf der Jahre eben alles etwas verschoben. Einkauft wird meistens günstig, Modeketten und andere Anbieter haben sich ausgebreitet und so blieb nicht mehr viel Raum für die Arbeit eines Maßschneiders übrig. Doch so eine kleine Nische haben wir uns erhalten und sind inzwischen so etwas wie die Paradiesvögel in unserem Handwerk geworden.
Durch Fernsehsendungen wie ‚Geschickt eingefädelt – Wer näht am besten?‘ werden wir wieder ein klein wenig mehr in die Öffentlichkeit gerückt. Auch wenn es etwas Augenwischerei ist, dass man in kürzester Zeit die tollsten Kreationen zaubern kann. Ich bin überzeugt, das auch Guido Maria Kretschmer ganz schön Zeit in seine eigenen Kreation stecken muss, bis diese fertig für die Augen des Publikums sind.

Falls Du Lust hast auf weitere Einblicke in unser Berufsleben und Dir vielleicht auch ein wenig Wissen aneignen möchtest, dann schau hin und wieder mal vorbei.

Bis bald
EdithF

Kurze Auszeit

Obwohl mir mein voller Terminkalender signalisierte, du hast keine Zeit für ein paar Tage Entspannung und Erholung, habe ich es trotzdem gewagt mir diesen Kurztrip zu gönnen.

So packte ich meine Sachen zusammen und vor allem gaaaanz wichtig, eine Tasche mit Arbeit. Ha, die Last zu tragen hätte ich mir sparen können. Noch zu Hause hat mich eine Erkältungsattacke überrollt, ich wollte schon die Auszeit kanzeln, ließ mich dann aber überzeugen, dass so ein Kurzurlaub genau das richtige sei.
So fuhr ich dann mal los. Am frühen Abend wollte ich mich auf meine mitgebrachten Handarbeiten stürzen, um mein Gewissen etwas zu beruhigen. Da forderte meine Erkältung ihren Tribut, es haute mich um und ich verschlief die wertvolle Zeit, die ich zur Verfügung hatte.
Wahrscheinlich musste das so sein, denn ohne genügend Kraft und Energie gelingt es uns selten, unsere Arbeit gut zu meistern. Ich bin schon lange davon überzeugt, dass nichts ohne Vorhersehung geschieht. Die Erkältung war letztendlich die kleine Auszeit, die brauchte ich, um wieder Kraft zu schöpfen für die Taten die in den nächsten Wochen anstehen.
Nachdem ich dann am Freitag wieder die Heimreise angetreten habe, war ich zwar etwas kaputt, jedoch nicht mehr ausgepowert. Um 18:30 Uhr stand noch ein Pflichttermin für mich an, der Besuch der Modenschau der Kerschensteinerschule in Stuttgart Feuerbach. Die Abschlussklasse des Berufskolleg für Mode und Design und die Meisterschule des Maßschneiderhandwerks zeigten ihre Kreationen. Insgesamt war es eine sehr interessante Show, mit vielen kreativen Ideen.

Ich selbst komme ja aus der Maßschneiderei und habe dieses Handwerk von der Pike auf gelernt und ohne an den neuen Schulabgängerinnen herum kritisieren zu wollen, habe ich jedoch so meine Bedenken und vor allem Sorgen. Ob diese jungen Menschen letztendlich ihre Träume und geheimen Wünsche erreichen werden?

Wir „Alten Hasen“ sind etwas besorgt um die Zukunft unseres Handwerks. Ich weiß, dies liegt nicht an den jungen Menschen, sondern auch an uns, die wir keine Ausbildungsplätze mehr anbieten. Vielleicht sollte hier ein umdenken geschehen, damit auch dieser wundervolle Beruf nicht verloren geht. Schon lange mache ich mir Gedanken darüber, wie diesem Problem beizukommen ist. Vielleicht sollten wir einmal darüber nachdenken, was wir anbieten könnten, um wieder eine gute Grundlage mit einer Ausbildung zu schaffen.

So viel für Heute bis bald
EdithF

Haute Couture

Haute Couture meine Leidenschaft

Jetzt habe ich genug von anderen Dingen berichtet, nun widme ich mich mal meiner eigentlichen Leidenschaft. Dem Herstellen meiner eigenen Kleidungsstücke für die Modenschau im Mai. Es ist ganz schön anstrengend, vom Entwurf bis zum letzten Stich alles selbst zu machen. Aber nichtsdestotrotz macht das Herstellen höllischen Spaß.
Wieder einmal seine Fähigkeiten zu testen, ob sie noch abrufbar sind. Zwar heißt dies, zurück zu den Anfängen, jedoch diese gewürzt mit neuen Techniken, die dem Kleidungsstück von heute in Schnitt und Optik ein modernes Aussehen geben.

Wenn ich dann anfange zu planen, welche Art der Grundaufstellung ich für den Schnitt heranziehe, entscheide ich mich nicht immer für die Aufstellung eines Grundschnittes und dem daraus erarbeiteten Formschnitt. Sondern bei komplizierten Formen, arbeite ich sehr oft an der Schneiderpuppe mit Nessel (oder einem alten Stoff). Diese Art der Schnittaufstellung war zwar etwas aus meinem Gedächtnis entschwunden, doch wie das so ist, kommen oft wieder verschollene Gedanken zum Vorschein, die einem sehr nützlich sein können. So ging es mir mit dem ab formen, das hatte ich vor vielen Jahren von einem Seminar des Europäischen Arbeitskreises Creative Mode, wo ich 10 Jahre Mitglied war, von einer Französin mitgebracht. Diese Art der Schnitterstellung wird in der Haute Couture in Frankreich angewendet.
Zum ersten Mal habe ich mich dann im Jahr 2015 an diese Art der Schnitterstellung gewagt, für einige Teile einer Modenschau. Dies geschah aus dem einfachen Grund heraus, ich hatte kein passendes Model zur Hand, da musste dann ganz einfach die Schneiderpuppe herhalten.

Und das ist dann daraus entstanden.

Jetzt drängt die Zeit und ich muss dringend weiter arbeiten.

Bis zum nächsten Mal
EdithF