Geheimes Innenleben

Das Innenleben der Blusen und Kleider birgt oft kleine Geheimnisse. Man sieht sie nicht, man spürt sie nicht, doch sind sie praktische kleine Helfer. Vor allem bei großen Ausschnitten kommen die kleinen Helferchen zum Einsatz.

Die Frage, welche das kleine Geheimnis offenbaren soll heißt, wie hält mein Ausschnitt so auf den Schultern, ohne dass ständig ein Träger zum Vorschein kommt. Dieses Problemchen gehört wahrscheinlich in die Abteilung ältere Spezies. Bei jungen Menschen darf der Ausschnitt gern verrutschen, die Schulter freigeben, den Träger sichtbar werden lassen, das ist die heutige Moderichtung. Doch was machen wir älteren, denn wir mögen auch große Ausschnitte. Das Geheimnis heißt Achselspangen oder Trägerhalter. Diese sind ganz einfach herzustellen.

Du schneidest einen Schrägstreifen zu und nähst ihn so ab, dass er eine Endbreite von etwa 0,07 cm ergibt. Nach dem Umdrehen wird er glattgebügelt und jeweils am Ende mit dem Köpfchen eines Druckknopfes versehen. Das andere Ende wird an der Achsel an der Armausschnittseite angenäht. Durch Überklappen des Streifens siehst Du nun, wo die Position des Gegenstücks vom Druckknopf angenäht werden muss.
Nun brauchst Du nur noch nach dem Überziehen des Kleidungsstückes den Trägerhalter unter Deinen Trägern durchziehen den Druckknopf schließen und es gibt kein verrutschen mehr.

 

 

 

 

 

 

Schnittgestaltung

Jetzt ist mein Kopf wieder bereit kreativ zu werden. Durch die aufwendigen Näharbeiten in den letzten Monaten, konnte ich meine kreative Ader nicht ausleben. Ständig hatte ich Zeitdruck und das nicht nur wegen der Arbeit, sondern es kam einfach einiges zusammen.

Da gab es zum Beispiel unser Konzert vom Sängerbund Anfang März, wo wir einige außerplanmäßige Proben hatten.

Dann gibt es Oma Aufgaben die ich so die Woche über tätige. Der Haushalt will bewerkstelligt werden und und und.

Aber jetzt nehme ich, das in Angriff von dem ich schon lange träume. Ich möchte die Schnitte für uns Ältere und doch junggebliebene, mit ihren in die Jahre gekommene Köpermaßen, etwas gekonnter verpacken, damit nicht jedes Röllchen gleich zu sehen ist. Angefangen habe ich nun mit einem Shirt-Schnitt mit einem kleinen Geheimnis. Oben hat es die Größe 40/42 wie jedes andere, doch das Geheimnis liegt im vorderen Bereich. Ich selbst möchte meine im Lauf der Jahre entstandene Rolle zwischen Bauch und Busen nicht gern zur Schau tragen, ja ich bin in dieser Hinsicht etwas eitel, das gebe ich gern zu. Nun ist es so, dass bei einem normalen Shirt immer das Vorder- und Rückenteil gleich breit ist und was kommt dann dabei heraus, es spannt um die gewissen Stellen herum und lässt die Figur optisch viel dicker erscheinen.
Meine Schnitte sollen den zu versteckenden Bereich um spielen und trotzdem die Figur betonen. Gerade bin ich fertig geworden mit meinem ersten Shirt der neuen Art und bin damit sehr zufrieden. Als Nächstes steht ein Sommerblusenschnitt und noch ein Shirt auf dem Plan. Wenn alles im Prototyp fertiggestellt ist, gibt es eine kleine Gallery.
Wenn euch die Schnitte interessieren, die Schnittmuster dazu könnt ihr bei gefallen von mir erhalten.

Bis bald

EdithF

 

Fertiggestellt

 

Oben in der Beschreibung der beiden Kleider hat sich ein kleiner Fehler eingeschlichen, das Original ist das linke Bild.

Es ist vollbracht, mein Abendkleid hängt nun vor mir auf der Schneiderpuppe und sieht mich an. „Nun bist Du zufrieden mit mir wie ich aussehe“ scheint es mich zu fragen.

Nachdenklich gehe ich drumherum und bin etwas angespannt. Wird es Passen? Es ist seltsam, dass nach so vielen Jahren Berufserfahrung immer noch dieses Krippeln sich bemerkbar macht. Es ist wohl zu vergleichen mit dem Lampenfieber, welches der Künstler vor dem Auftritt verspürt.

Wahrscheinlich gehört das dazu, denn wenn diese innere Anspannung einmal nicht mehr da ist, dann sollte man sich hinterfragen, ob noch alles seinen Sinn macht. Wie viele Kleider ich im Lauf der Jahrzehnte schon angefertigt habe kann ich nicht mehr nachvollziehen. Oft hat mich die Schnittentwicklung einiges an Nerven gekostet, doch am Ende, wenn ich die fertigen Teile abgeliefert habe, war ich meistens zufrieden mit meiner Arbeit. Du fragst Dich sicherlich, warum sagt sie meistens? Immer das ist meine Meinung, wäre überheblich. Denn keiner ist unfehlbar.

Jetzt fängt eine neue Woche an und ich lasse es etwas ruhiger Arbeitstechnisch angehen. Obwohl manch einer dies nicht so sieht, das Herstellen maßgefertigter Kleidung strengt ganz schön an und fordert Hirn und Körper. Und da ich etwas mit meinen Kräften haushalten muss, werde ich nun eine kleine Schaffenspause einlegen.

Bis bald EdithF

Hast Du Fragen zum Schnitt dieses Models, so schreibe mir.

Mein Spitzenkleid

Heute bekommst Du nur etwas für die Augen. Vom Grundschnitt zum Modellschnitt alles komplett aus meinem Atelier. 

Sieh Dir mein wunderschönes Spitzenkleid an, es hat keine Normmaße.

OW 108 cm
TW 84 cm
HW 98 cm

Und eine Länge von insgesamt 111 cm. Um das Ganze noch zu komplettieren, dazu ein handgefertigter Gürtel mit Rose.

Solch einen Schnitt bekommst Du nirgends, außer Du setzt Dich mit der Herstellung eines Grundschnittes auseinander. Und daraus lassen sich dann die tollsten Schnitte entwickeln.

Auch mein nächstes Teil zeigt Dir, wie Du einen Grundschnitt umwandeln kannst.

 

Hier eine Vorschau dazu.

Klamotte und Klamöttchen

Gerade liege ich in den letzten Zügen mit meinem Spitzenkleid, das nun noch einen selbstentworfenen Gürtel bekommt mit einer handgefertigten Rose darauf.
Und wie ich so vor mich hin stichele, bei den vielen Handarbeiten die das Kleid erfordert, fälllt mir ein früherer Spruch ein. Ich habe diesen verwendet für eine Werbung.
Damals vor gefühlten 30 Jahren hatte die Klamotte noch eine andere Bedeutung für mich, als heutzutage. Klamöttchen, stand damals für die Kinderkleidchen, die auch in den Entstehungsprozess der allgemeinen „Кlamotten-Kleidung“ mit einbezogen waren.
Ich erinnere mich noch sehr gut daran, als ich einen wunderschönen Anzug zur Kommunion eines italienischen Jungen angefertigt habe. Das Beste vom Besten wurde ausgesucht und die Anproben fanden im Kreis der ganzen Familie statt. Es war sehr eng in meinem Atelier, doch die Atmosphäre der Anprobe geht mir heute noch unter die Haut. Der Junge wurde wunderbar auf seinen großen Tag vorbereitet, indem ihn die ganze Familie spüren ließ, dass es hier ausschließlich um ihn ging.
Auch bei der Anfertigung von Brautkleidern wird man oft in diesen Bann der freudigen Erwartung gezogen, die sich bei jeder Probe steigert.

Was sind heute „Кlamotten“für mich, brauchen tun wir alle diese Stücke nach wie vor. Meistens wird irgendein Fummel schnell gekauft, doch passt der noch zu der reifen Figur, die sich im Lauf der Jahre eingeschlichen hat. Jeder macht ein großes Tamm Tamm um die 50plus, ha wisst Ihr, was es heißt 60plus zu sein. Heute will man nicht mehr in Säcken für unförmige Frauen herum laufen, meistens noch mit übergroßen Blumen oder Streifen darauf, weil ja genügend Platz da ist. Nein, auch wir wollen noch schön, Schnitt technisch angepasst auf uns, aber nicht altmodisch sein. Manchmal bin ich ganz traurig, wenn ich Frauen sehe in Shirts, die von Designern entworfen wurden, für angeblich das Alter 50plus prrrrrrrr. Da bekommt doch jede Frau gleich den Oma-Touch aufgedrückt. Ich möchte hier nicht falsch verstanden werden, Oma sein ist eine wunderbare Sache und gibt einem so viel. Nur kleiden möchten wir uns nicht mehr wie die Omis in vergangenen Zeiten. Schaut mal, da war ich schon längst 60plus. Ich gebe zu, dass die Figur nicht mehr das hällt, was das innere Auge sich vorstellt. Doch damit habe ich gar kein Problem, das Zauberwort dazu heißt, Schnittanpassung. Bei Hosen zwickt die Taille, Gürtel sind auch nicht mehr so toll und figurbetonte Schnitte na ja geht vielleicht gerade noch.
Diesen Blogbeitrag habe ich nicht nur geschrieben, um auf die Probleme der älteren Menschen hinzuweisen, sondern auch für Dich, falls Du eine junge Kollegin bist. Vielleicht stehst Du gerade da und weißt nicht, wie Du das Kleider-Problem Schnitt technisch lösen sollst.
Wenn Du selbst Hersteller bist und die fertigen Schnitte bereiten Dir Probleme, dann versuch es doch einmal mit einem Maßgefertigten Grundschnitt, den Du dann für jeden modischen Schnitt abwandeln kannst. Grundschnittkurs
Wie Du einen Grundschnitt erstellen kannst ist ganz einfach. Du brauchst kein teures Programm zu kaufen, sondern benötigst lediglich Maßband, Winkel (möglichst einen großen Schneiderwinkel), Bleistift, Radiergummi, Klebeband,Schere, Rädchen und Schnittpapier.
Probier es doch gleich mal aus.

Schnittgestaltung

Heute mal wieder etwas aus dem Schneideratelier, aus dem Bereich „Nähen wie ein Profi“

 

Mein besondere Jackenschnitt nennt sich nicht deshalb besonders, weil er raffinierte Schnittführungen aufweist, nein, besonders ist bei mir ein Schnitt, wenn dieser optimal ausgeformt ist auf die Figur der Trägerin. Das Problem bei uns nicht mehr ganz jungen Frauen sind die nicht ganz perfekte Übereinstimmung mit den Maßen der fertigen Schnitte.

Bei den Massschneider News gibt es meine kleine Jackenparade zum Ansehen.

Zurück zu meinen Jacken. An den Schnitten, welche ich selbst herstelle, versuche ich immer das bestmögliche herauszuholen. Das fängt bei der Schulterbreite an, zieht sich über Rücken und Oberweite, Hüfte bis zur richtigen Ärmelweite.
Warum ich diesen Aufwand betreibe, ist ganz einfach erklärt. Das Endprodukt muss optimal die Pluspunkte der Trägerin herausstellen und die Schwachstellen überspielen.
Oftmals ist es so, wenn die Oberweite perfekt sitzt, hat die Trägerin das Problem mit der Taille und Hüfte. Schon eine kleine Abweichung in einer Taillierten Jacke, lässt das ganze Model unförmig wirken. Kommt dann noch eine etwas größere Hüftweite dazu, sieht alles sehr gestopft und unschön aus. Die andere Variante des eben beschriebenen Problems ist eine schmale Hüfte und große Oberweite. Genauso ist es mit der Ärmelweite, diese kann die ganze Jacke plump aussehen lassen, wenn sie zu massig ist.
Du siehst, es ist eine ganz schöne Herausforderung, Schnitte zu kreieren.

Ruhepause

 

Die Arbeit ist vorbei, der Lodenmantel hat den Weg zur Kundin gefunden. Nur eins ist mir nicht gelungen, ein schönes Bild von der gelungenen Arbeit. Wir waren beide vor dem Fest etwas sehr in Eile, um alle Einkäufe und was es sonst noch zu erledigen gab, in die verbleibende Zeit hineinzupacken, nichts Wichtiges zu vergessen und dabei blieb das Bild auf der Strecke.
Nun ist erst einmal eine Ruhepause nötig, um etwas herunterzukommen und um sich auf die neuen Aufgaben vorzubereiten.

Ich wünsche euch allen ein gutes erfolgreiches Jahr 2018

Bis bald EdithF

 

 

Der Lodenmantel

Es geht los mit der Mantelerstellung. Habe den Schnitt abgeändert, nachdem ich den Prototyp probiert hatte und nun kann zugeschnitten werden.
Der Stoff ist vorbereitet, das heißt, er ist komplett abgebügelt und wartet nun auf das Auflegen des Mantelschnittes. Insgesamt ergibt der ganze Zuschnitt 27 Teile aus dem Stoff und 16 Teile aus der Vlieseinlage G 405. Danach habe ich mit der Bügelpresse die Einlage auf fixiert und erst einmal die Teile zum Ausruhen, damit sich Einlage und Stoff gut verbinden können, flach auf den Boden gelegt. Morgen werde ich den Mantel zur Anprobe zusammen heften.

Du willst wissen wie es weitergeht, schau wieder vorbei.

Zuschnitt und Anprobe

Das ist der Lodentraum meiner Kundin

Der neue Mantelschnitt ist fertig.

Nachdem ich aus dem Grundschnitt der Kundin, den Mantelschnitt erstellt habe, kommt nun mein nächster Arbeitsgang. Ich habe überlegt, ob ich auf Risiko gehe und gleich den Originalstoff zuschneide oder einen Zwischenstopp einlege. Denn wie schon berichtet, habe ich es nicht mit einer normalen Maßverteilung zu tun. Durch die Haltung könnte es durchaus sein, dass mir trotz des Maßschnitts die Vorderseite nicht so sitzt, wie ich es mir vorstelle. Also entschloss ich mich für den Prototyp aus einem Ersatzstoff. Hier kann ich verschieben, einsetzen und ausschneiden, ganz so wie es die Figur verlangt.

Sicher denkst Du, was für ein Aufwand, doch glaube mir, er wird sich lohnen. Auch die gute Konfektion betreibt diesen Aufwand, nur weiß das keiner, wenn im Laden das gute Stück auf der Stange hängt. Dort gibt es Models (natürlich mit Standardmaßen) an denen der Prototyp probiert wird. Nach der Schnitterstellung kann es dann nochmals zu kleinen Veränderungen kommen. Danach werden Musterteile erstellt und dann beginnt erst die Vervielfältigung.

Dies ist nur ein ganz oberflächlicher Einblick in den Ablauf eines konfektionierten Teils sein.

Ich habe meinen Mantel nun probiert und bin froh, dass ich einen Prototyp aus einem Ersatzstoff zugeschnitten habe. Beim Vorderteil lag ich richtig mit der Balance, denn es stand ab und musste neu ausgerichtet werden. Der Rücken mit der langen Kellerfalte passte perfekt und auch die Ärmel saßen sehr gut. Beim Kragen habe ich zwei Lösungen angeboten, das waren ein Stehkragen oder ein Kragen mit eingesetztem Steg. Es wurde der Stehkragen. Nun kommen die Abänderungen, danach richte ich den Schnitt neu ein und dann kann der Zuschnitt aus dem Originalstoff erfolgen.

Beim nächsten Arbeitsgang geht es weiter.

Bis bald

EdithF

Hast Du Fragen zu dem Beitrag, dann sende mir ein kurzes Mail, ich melde mich schnellstmöglich bei Dir.

Winterhülle

Brrr, es ist kalt geworden, vorbei sind die schönen laue Tage, wo man nicht viel anziehen brauchte.
Nach meiner kleinen Auszeit, nehme ich nun mein nächstes Projekt in Angriff. Es soll ein Wintermantel werden mit Landhaus-Touch. Normalerweise ist dies keine schwere Aufgabe für mich, doch es sind die kleinen Stolpersteinchen, die wieder vorhanden sind. Und die gehen bei der Schnitterstellung los.
Jeder, der sich ein Kleidungsstück nähen möchte, holt sich einen Schnitt dazu oder zerlegt vielleicht ein altes Stück, um es erfrischt wieder auferstehen zu lassen. Bei dem Mantel ist es ein wenig komplizierter. Die Kundin klein, rundlich und daher nicht der Norm entsprechend.
Nachdem Sie schon in München und Garmisch ihre Einkaufsrunden gedreht hat, war der Frust jedes Mal groß, weil kein Mantel über ihr „Arschel“ (das sagt Sie selbst) passte. So bliebt für das Wunschobjekt nur der Weg zum Schneider, wie immer, wenn die Kleiderwünsche erfüllt werden sollten.

Soviel zur Vorgeschichte, jetzt komme ich zur Arbeit. Ich holte aus meiner Schnittmappe, die ich für jede Kundin angelegt habe, ihren Grundschnitt heraus und begann diesen für den Mantel in einen Maßschnitt aufzuarbeiten. Dies wäre normalerweise keine große Aufgabe, da der Mantel ja gerade ist und in der hinteren Mitte eine Kellerfalte hat. Nur sollte er auch noch eine perfekte Form bekommen und das bei einer OW von ca. 125 cm und HW von ca. 138 cm. Was noch dazu kam, waren eine kurze Taillenlänge, ein breiter Rücken, kurze Ärmel, Po und Bauch. Bei diesen Vorgaben passiert es ganz schnell, dass das gute Stück am Ende einem geraden Sack gleicht. Und nun ist kreatives erstellen eines Mantelschnittes angesagt. So und das ist nun meine Herausforderung.Nächstes Mal gehts weiter

Bis bald

EdithF