Fertiggestellt

Letzten Donnerstag waren meine „Milchsäule“ fertig. Ausgestopft sahen sie mich mit großen runden Augen an. Die neuen Anzüge dazu wurden rechtzeitig ins Haus geliefert, sodass dem Umzug am Pfingstmontag nichts entgegen stand.

Was war ich froh, als der letzten Stich getätigt hatte, meine Finger waren fast am „abfaulen“ so anstrengend war der letzte Schliff an meinen Schweinsköpfchen.

Dass meine Kollegin mir geholfen hat die Anzüge zu nähen, dafür bin ich sehr dankbar. Was waren das für arbeitsintensive Wochen, zuerst mit 3 Outfits für die Modenschau, welche sehr zeitaufwendig waren und jetzt die „Schweinchen“. Nun bin ich regelrecht platt und muss mich erst einmal um Dinge die liegengeblieben sind kümmern. Früher als ich noch eine Familie zu versorgen hatte, wäre solch ein Einsatz fast nicht möglich gewesen.

Obwohl, wenn ich so darüber nachdenke, so haben wir, meine Lehrlinge und ich, so manchen Arbeitswulst bewerkstelligt. Wenn nämlich Musterzeit in der Konfektion war, hieß es alle Kräfte sammeln um den Arbeitsaufwand zu bewerkstelligen. Meistens hatten wir noch Hilfe von meiner Tochter und einer zusätzlichen Aushilfe. So konnten wir in 14 Tagen bis zu 30 Teile fertigstellen.

Für jemand der das nähen als Hobby betreibt, klingt das bei so vielen Arbeitskräften nicht als so viel. Das sind ja für jeden nur 2-3 Teile in der vorgegeben Zeit. Doch bei einer professionellen Herstellung sieht die ganze Sache etwas anders aus.

Geliefert werden große Rollen mit Stoffen, dazu Rollen mit Einlagen und Futterstoffen. Die Schnitte aufgedruckt auf Papier, diese müssen zuerst noch ausgeschnitten werden. Dann folgt der Zuschnitt und dieser muss exakt an den Linien des Schnittpapiers entlangführen. Entweder wird Einlage aufgebügelt und danach werden die Punkte für Abnäher oder andere Dinge angezeichnet, oder geschieht dies noch während der Schnitt aufliegt. Bei dreißig Teilen ist dies schon Arbeit von mehreren Stunden. Die Kleidungsstücke bestehen ja nicht nur aus den Vorder-und Rückenteilen, sondern aus jeder Menge an Kleinteilen und Einlage, sowie Futtereilen. Kleider, Blusen, Hosen, Röcke werden versäubert, Jackenteile nach dem auffixieren erst einmal etwas liegengelassen, damit sich die Klebeschicht der Einlage mit dem Obermaterial verbinden kann. Bei der ganzen Arbeit muss alles perfekt sein, vom Zuschnitt bis zum fertigen Stück. Da geht es nicht an, dass bei einer Seitennaht das eine Teil am Ende ein paar cm länger ist und dann einfach abgeschnitten wird, oder Nähte nicht exakt da sitzen wo sie hingehören. Alles muss stimmen, oder man trennt. Die Schnittdirektriesen haben dies aufs genaueste ausgearbeitet und Zwicke für die Zusammensetzung an gegezeichnet. Stunde um Stunde, sowie Tage um Tage vergehen und es entstehen immer mehr Teile, die zum Schluss zusammengefügt werden. Der letzte Arbeitsschritt ist dann das annähen der Knöpfe, das dann bei oft 80-100 Stück die Finger zum singen bringt.

Das war nur ein kurzer Schnelldurchlauf von den Arbeitsschritten.

EdithF

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