Langsamkeit

Wieder flog eine Woche vorüber und ich musste mich zu Wochenbeginn erst einmal sortieren nach den anstrengenden letzten Tagen. Heutzutage habe ich das Glück, diese kleine Auszeit in Anspruch zu nehmen.

Es ist nun mal so, wenn wichtige Termine zum abarbeiten sind, dann bleibt alles andere auf der Strecke. Ob dies Büroarbeit, Haushalt oder andere Dinge sind, die Zeit dafür ist erst wieder da, wenn der Auftrag erledigt ist.

So habe ich eine Woche, die ja kurz war durch den Pfingstfeiertag mit allerlei Kram verbracht. Wichtiges, unwichtiges, schönes und nicht so schönes. Am Freitagnachmittag bin ich durch mein Haus gegangen und war ganz mit mir zufrieden. Alles ist nun wieder ordentlich verräumt, geputzt und nun kann der ganze Wahn von neuem beginnen.

Das soll aber nicht heißen, dass ich ein Putzteufel bin, mit Nichten, nur sollte nach einem Auftrag der jede Menge von Arbeitsmaterialien mit sich bringt, wieder Ordnung geschaffen werden.

Das Geheimnis wie ein optimaler Ertrag aus der Arbeit ausgeschöpft werden kann, liegt zum größten Teil an einer guten Vorbereitung. Dazu gehört auch eine Werkstatt mit System und kein kreatives Chaos. Ich selbst hatte schon verschiedene Werkstätten. Die erste war zirka 9 qm, danach hatte ich einen großen Raum der in 2 Teile abgetrennt war, unsere Werkstatt für meine beiden Lehrlinge und mich hatte 16 qm, der andere Teil war Empfang und Anprobe für die Kunden. Danach gab es eine für meinen Betrieb riesengroße Werkstatt.  Nun habe ich, nachdem ich nicht mehr ausbilde und beruflich nicht mehr voll aktiv bin, nur noch ca. 10 qm unter einer Dachschräge. Alle Utensilien wie Nähseide, Einlage, Reißverschlüsse und was noch so alles gebraucht wird, befinden sortiert und griffbereit rund um meinen Arbeitsplatz.

So für Heute ist es genug mit Schwafeln, ich mache nun Wochenende.

Bis bald EdithF

Die Schweinchen sind los

Jetzt liegen sie da auf meinem Arbeitstisch und sehen mich mit ihren runden Augen an. Noch sind sie etwas schlaff, doch das wird sich bald ändern.
Ja, das ist meine Arbeit für diese und nächste Woche, denn dann müssen meine „Milchsäule“ wie sie liebevoll von den Schülern und Lehrern genannt werden, fertiggestellt sein. Zum großen alljährlichen Fest an Pfingsten, mit dem Umzug an Pfingstmontag, kommen in diesem Jahr meine neu erschaffenen Schweinchen zum Einsatz. Es ehrt mich sehr, dass ich nach Schneckenhäusern mit Fühlern als Kopfschmuck, Eselköpfen, nun auch die Schweinchen-Kostüme nähen durfte.
Sicher es ist nicht unbedingt die Arbeit einer Maßschneiderei, doch zwischendurch macht so eine Herstellung großen Spaß. Man kann sich etwas kreativ austoben mit dem Entwurf, den man nach viel Recherche, wie so ein „Schweinsköpfchen“ aussehen könnte, auf Papier bringt. Dann geht es weiter mit der Überlegung, wie mache ich den Unterbau, welches Material nehme ich für den Kopf.
Als diese Dinge geklärt waren, stellte ich einen Prototyp her, den eine Lehrerin dann im Lehrerkollegium vorgestellt hat. Als dann das OK kam, machte ich mich an die endgültige Schnitterstellung. Durch abformen und auszeichnen der Schnittlinien auf den Schnittteilen entstand dann das Produkt „Milchsäule“. Einige Vorarbeiten habe ich ja schon in den Beiträgen Kleinarbeiten und Arbeitsstau vorgestellt. Jetzt in dieser Arbeitsphase folgte das aufnähen der Augen, die ich ja schon einmal umrundet habe, indem ich die schwarzen Pupillen auf den weißen Grund genäht habe. Wie man sieht, es steckt eine Höllenarbeit mit sehr vielen Arbeitsschritten in der Herstellung.
Und so so sehen sie nun aus.

sie sind noch etwas schlaff und müde, doch das legt sich bald.

Der Unterbau besteht aus „Hüten“ das sind abgeformte Teile die aus Klebeband in Form eines Hutes auf den Kopfumfang gewickelt wurden. Diese Arbeit habe ich nicht selbst gemacht, das hat mir die Lehrerin abgenommen. Als Verstärkung in den kleinen Rüssel dient ein abgeschnittener Joghurtbecher und gestopft wird mit Füllwatte.
Wie Ihr seht, es ist ein großer Arbeitsaufwand bis solche Figuren wie ich sie nun schon das dritte Mal erarbeitet habe fertiggestellt sind.
Nächste Woche nach Fertigstellung meiner Produktion folgt das Abschlussbild.
Bis dann
EdithF

Kurze Auszeit

Obwohl mir mein voller Terminkalender signalisierte, du hast keine Zeit für ein paar Tage Entspannung und Erholung, habe ich es trotzdem gewagt mir diesen Kurztrip zu gönnen.

So packte ich meine Sachen zusammen und vor allem gaaaanz wichtig, eine Tasche mit Arbeit. Ha, die Last zu tragen hätte ich mir sparen können. Noch zu Hause hat mich eine Erkältungsattacke überrollt, ich wollte schon die Auszeit kanzeln, ließ mich dann aber überzeugen, dass so ein Kurzurlaub genau das richtige sei.
So fuhr ich dann mal los. Am frühen Abend wollte ich mich auf meine mitgebrachten Handarbeiten stürzen, um mein Gewissen etwas zu beruhigen. Da forderte meine Erkältung ihren Tribut, es haute mich um und ich verschlief die wertvolle Zeit, die ich zur Verfügung hatte.
Wahrscheinlich musste das so sein, denn ohne genügend Kraft und Energie gelingt es uns selten, unsere Arbeit gut zu meistern. Ich bin schon lange davon überzeugt, dass nichts ohne Vorhersehung geschieht. Die Erkältung war letztendlich die kleine Auszeit, die brauchte ich, um wieder Kraft zu schöpfen für die Taten die in den nächsten Wochen anstehen.
Nachdem ich dann am Freitag wieder die Heimreise angetreten habe, war ich zwar etwas kaputt, jedoch nicht mehr ausgepowert. Um 18:30 Uhr stand noch ein Pflichttermin für mich an, der Besuch der Modenschau der Kerschensteinerschule in Stuttgart Feuerbach. Die Abschlussklasse des Berufskolleg für Mode und Design und die Meisterschule des Maßschneiderhandwerks zeigten ihre Kreationen. Insgesamt war es eine sehr interessante Show, mit vielen kreativen Ideen.

Ich selbst komme ja aus der Maßschneiderei und habe dieses Handwerk von der Pike auf gelernt und ohne an den neuen Schulabgängerinnen herum kritisieren zu wollen, habe ich jedoch so meine Bedenken und vor allem Sorgen. Ob diese jungen Menschen letztendlich ihre Träume und geheimen Wünsche erreichen werden?

Wir „Alten Hasen“ sind etwas besorgt um die Zukunft unseres Handwerks. Ich weiß, dies liegt nicht an den jungen Menschen, sondern auch an uns, die wir keine Ausbildungsplätze mehr anbieten. Vielleicht sollte hier ein umdenken geschehen, damit auch dieser wundervolle Beruf nicht verloren geht. Schon lange mache ich mir Gedanken darüber, wie diesem Problem beizukommen ist. Vielleicht sollten wir einmal darüber nachdenken, was wir anbieten könnten, um wieder eine gute Grundlage mit einer Ausbildung zu schaffen.

So viel für Heute bis bald
EdithF

Arbeitsstau

nachdem ich letztes mal mich etwas mit den Pölsterchen der reiferen Damen befasst habe, werde ich diesmal nicht tiefer in dieses Thema einsteigen. Nur soviel noch dazu, natürlich gibt es auch Menschen mit tollen Figuren auch im reifen Alter und umgekehrt ebenso. Jung und alt haben mit ihren Problemzonen zu kämpfen, der einzige Unterschied dabei ist, das sich die Rundungen an verschiedenen Stellen zeigen.

Jetzt zu dem was momentan auf meinem Arbeitsplan steht. Es sind „Milchsäule“ wie der Schwabe sagt. Was dahinter steckt ist schnell erklärt. Für ein Heimatfest das jährlich am Pfingstmontag mit einem großen Umzug der Vereine, Schulen und den Kostümen der Schlossherren in unserer Stadt stattfindet, bin ich am „Milchsäule“ Kopfschmuck nähen. Das ist eine schöne Abwechslung und die Gestaltung dafür hat ebenfalls großen Spaß gemacht. Gerade habe ich 20zig Augenpaare und 20zig Rüssele in Arbeit, die mit dem Kopfteil verbunden werden. Die 40zig Ohren liegen auch schon in den Startlöchern und warten aufs einnähen. Das ist gerade meine Hauptaufgabe, die es abzuarbeiten gilt.

Fast hätte ich es ja vergessen, bin ja noch am Herstellen meiner drei Modelle für unsere Modenschau in Karlsruhe, diese findet am 21. Mai 2017 statt. Oh je was für eine Arbeit so aufläuft, wenn man einige Zeit nicht so ganz auf der Welle war.

Kennst Du das, wenn man von einer großen Frustwelle überschwemmt wird und man fast das Ufer nicht mehr erreicht. Wie ich ja auf meiner Seite schon erwähnt habe, läuft das Leben nicht immer im gleichmäßig geradem Fluss, manchmal durchqueren wir auch ein tiefes Tal. Es ist wichtig wieder den Aufstieg zu wagen, denn sonst bleiben wir unzufrieden und total frustriert am Boden liegen.

EdithF

50zig plus

Falls Du Leser meines Blogs und ein junger Mensch bist, dann kommt Dir mein heutiger Beitrag sicher etwas abgestanden vor. Was interessieren Dich die Probleme der „alten Weiber“.
Auch mich überfiel dieses Übel in meiner Anfangsselbstständigkeit. Figürlich gab es bei mir nichts auszusetzen, aber die Maße meiner Kundschaft oh je, brachte mich so manches mal ins Schwitzen. Da stehst du dann, mit deinem jungen knackigen Körper an dem es wenig auszusetzen gibt, vor den gesetzten Damen und musst deren Maße so verarbeiten, dass am Ende ein tolles Produkt dabei heraus kommt. Ob dies die üppige Oberweite ist, der man Schnitt-mäßig Einhalt gebieten muss, oder die ausladenden Hüften zu einer schmalen Oberweite.
Das ist „Kunst am Körper“, den man perfekt verpackt in einen eigens für die Kundin erstellten Schnitt.
Daher gehört Grundschnitte erstellen, um daraus einen perfekten Modellschnitt auf das Maß der Kunden zu kreieren, zu den Grundkenntnissen eines jeden Maßschneiders.

Ist dieser Beitrag nun interessant für Dich? Weil Du nach diesen Informationen besser die Wünsche Deiner Kunden verstehst. Auch mir ging es oft so, dass ich dachte, solche Ausmaße nehme ich einmal nicht an. Doch im Lauf der Jahre verändert sich der Körper und was einmal toll aussah, passt nun nicht mehr.
Das sind dann meistens die Kunden in der Maßschneiderei, die zu bedienen sind. Falls Du dich im Bereich der Herstellung von Maßkleidern bewegst, kennst Du das sicherlich und wirst des öfteren mit den „großen und kleineren“ Problemen deiner Kunden konfrontiert. Ob es um die gekaufte Hose oder ein anderes Kleidungsstück geht, die Schnitte sind eben nicht auf die Figur einer gestandenen Frau ausgerichtet.

Ich bin gerade am herstellen von mehreren Sommerhosen für mich und dabei kam mir die Idee, einmal von diesen Problemen der Frauen über 50zig, ja schon mehr über 60zig plus zu berichten. Dem heutigen Jugendwahn folgend, hält sich meistens der Körper bei guter Behandlung sehr lange in seiner guten Form. Ich bin ein Beobachter und das nun schon sehr viele Jahre lang. In meiner langen Berufstätigkeit konnte ich daher sehr gut Körperstudien betreiben. Was dabei in den allermeisten Fällen heraus kam, das hier in Kurzform.

Fünfzig ist das heutige vierzig,
die meisten Körperformen sind in
diesem Alter noch in der Wunschvorstellung
der Besitzerin.
Sechzig ist heute der Knackpunkt.
Die Taille läuft aus dem Runder,
der Magenring nimmt zu, die Hüfte
bleibt oft schmal und der Brustumfang
nimmt ohne Implantate ausladende Formen an.

Im großen und Ganzen sieht das nicht einmal unförmig aus, nur warum zwicken sämtliche Hosen im Bund und flattern in einer größeren Größe um Hüften und Po herum. Das Problem liegt nicht an Dir, es liegt ganz einfach an der Ignoranz der Mode herstellenden. Wir ab sechzig sind eben nicht mehr frisch, jung und knackig, sondern gestandene Frauen, deren Gedanken zwar noch jung sind, aber die Schwerkraft des Körpers ist trotzdem nicht aufzuhalten. Was wir aber nicht wollen, das ist Kleidung die uns vielleicht im Stil in 20 Jahren passt, oder oft noch schlimmer, uns wie stehengebliebene Teenager aussehen lässt.

Wir nehmen uns an so wie wir jetzt sind, haben Spaß am Leben, genießen den Zeitstrahl von heute, denn gestern hatten wir schon.

EdithF